1331, Juli 24

Herzog Otto fällt eine Entscheidung in dem Streit, der wegen der Ausführung der von Meister Tylo, dem seine erste Frau Christein Häuser, Weingärten und einen Stadel in der Scheffstrasse zugebracht hatte, getroffenen letztwilligen Anordnungen zwischen dessen Witwe Elspet und dem Geschäftsvollstrecker Meister Heinrich, Pfarrer von Wien und obersten Schreiber, entstanden war. Er verfügt, dass die vorgenannte Elspet, Hausfrau des Meister Tylen zwei Weingärten behalte, den dritten Weingarten aber zu der ewigen Messe gehören solle, die der selige Meister Tylo zu St. Stephan in Wien wo er auch begraben liebt („da er ouch leit“) geschafft hat. Von dem Stadel sollen die Gläubiger befriedigt und die Legate ausgezahlt werden.

Wir, Otto, von Gottes Gnaden Herzog zu Österreich und zu Steyr verleihen und tun öffentlich mit diesem Brief kund, allen die ihn ansehen oder lesen hören, dass wir vernommen haben den Brief und die Handfeste unseres lieben Bruders Herzog Albrecht und Herzog Hainreich, dem Gott gnädig sei, dass Frau Christein, selige Hausfrau des Meister Tylenin“ (und?) Meister Tylen alles ihr Gut, fahrendes und unfahrendes, beide Häuser, Weingarten und einen Stadel in der Scheffstraße und andere Güter und Gülten, die sie gehabt hat, von ihren beiden Wirten, denen gott gnädig sei, recht und redlich zu der Zeit, dass sie es wohl getun möchte, gemacht und gegben hat allen seinen „frumen“ damit zu schaffen, mit verkaufen, mit versetzen, wie es am besten füglich sei, an „allen irrsal“. Als die vorgenannte Christein, zu den Zeiten als sie es wohl tun und auch geben möchte, gemacht und gegeben hat, als ihr eigentliches Gut und wenn der genannte Meister Tylo, vor seinem Tod, da er bei guten Sinnen und Wissen war, sein Geschäft getan hat, zu volführen mit dem ehrbaren Mann Meister Hainrich dem Pfarrer von Wien, unserem obersten Schreiber, durch beider seiner Hausfrauen und andern seinen gelten nach seiner Sel hail“ mit dem vorgenannten Gut, dass er das vollführen sollt ist ein „stoz auffgestanden“ zwischen dem vorgenannten Pfarrer von Wien und Elspeten, der seligen Hausfrau Meister Tylen um dasselbe Geschäft, den haben wir also verrichtet und entschieden, dass die vorgenannte Elspet, Meister Tylens Hausfrau, zwei Weingärten, der eine heißt „der Ger“ und liegt zu Grinzing zunächst dem Weingarten Mertleins Ansmalcz, der andere liegt zu Heiligenstadt an dem „Hungerberg“ zunächst dem Weingarten Alhartes von Challenberg, ewig haben soll und „allen iren frumen da mit schaffen“, mit verkaufen, versetzen und geben, wem sie will und soll auch fortan keinen Anspruch auf sein anderes Gut haben, seien es Weingärten, Stadel oder anderes fahrendes Gut, wie das genannt sei. Der Weingarten soll zu einer ewigen Messe, die der selige Meister Tylo zu St. Stephan in Wien, wo er auch begraben liegt („da er ouch leit“), mit dem anderen fahrenden Gut und mit dem Stadel soll er die „gelter vnd vnd dienen“ verrichten, wie ihm das auch von demselben Meister Tylo empfohlen „hincz seinen trewn“ ist und davon gebieten wir allen Richtern und Bergmeistern („perchmaister“), dass sie den vorgenannten Pfarrer von Wien und seine Hausfrau Elspeten an den vorgenannten Häusern, Weingarten, Stadeln und an dem anderen Gut nicht „besweren lazzen noch ieman dhain reht tun, wan die sache von vns gewandelt ist vnd auch selbe ein reicht tun weillen swer gen in icht zesprechen hab, Hete aber ieman darvber da von khain recht, daz sol chain chrafft haben.“ Und geben das zu einer offenen Urkunde und zu einer Bestätigung der Sache, den Brief versiegelt mit unserem anhängenden Siegel.

1331 VII 24, 1331.07.24

Literatur

Literatur- / Quellenverzeichnis: QGStW

Stelle / Nr / Seite: Bd. II/1, Nr. 136

Kommentar: Der geben wart ze Wienn, do man zalt von Christes geburde 1300 jar in dem 31. jar darnach, an sand Jacobs abend. QGStW II/1, Nr. 136; Camesina, 1874, Nr. 3 (Wiener Arch. 5/1331). Die Messe fand am Apostelaltar in St. Stephan statt (siehe Camesina, 1874, Nr. 5).

Abbildungen

Archivangaben: 136; AT-WStLA_HAUrk_136; Das Siegel fehlt.

Zitierempfehlung
Wissensdatenbank zu St.Stephan, Schriftquellen, 2019.11.15
http://www.sanktstephan.at/quellen/1331-juli-24/

Datum: 15.11.2019

bearbeitet: Barbara Schedl

erstellt: Barbara Schedl