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Der Wiener Universitätsprofessor und Geschichtsschreiber Dr. Johannes Cuspinianus vermerkt bei der Angabe der Höhe des südlichen Hochturms von St. Stephan: „(…) in summa facit quadringentos et octoginta calceos ut saepe qui ascendit et descendit insignis lapicida, huius templi architectus, magister Gregorius Hauser ex Friburgo mensuravit“

(insgesamt beträgt sie 480 Schuh, wie dies ein ausgezeichneter Steinmetz, Meister Gregor Hauser aus Freiburg, Baumeister dieser Kirche, der oftmals auf- und abgestiegen war, gemessen hatte).

,,Miniabatur haec turris ruinam, nam apex acuminis sese flectebat, ictus fulmine saepius. Et licet multi magistri accerserentur ut consulerent quo pacto subveniretur tanto malo: nullus tamen repertus est ex tot architectis qui accersebantur, qui tale ingenium inveniret, quale Leonardus Hauser ex valle Circo, olim Maximiliani venator, et capitaneus peditum nobilis, qui una cum Gregorio Hauser praedicto lapicida et architecto templi, cuius supra mentionem feci, turrim scendentes, secto lapidi in particulas, cacumen absque omni periculo demiserunt, et partem post partem sine iactura templi sancti Stephani in terram demiserunt, et absque periculo, et id quidem paucis diebus lapisidae huius templi paulatim lapides turris, tempestate et igne combustos, refecerunt: et paucis annis in eam faciem, ut olim fuit, reaedificaverunt.“

(Dieser Turm war baufällig geworden, denn seine oftmals von Blitzen getroffene Spitze neigte sich. Und viele Meister wurden herbeigerufen, um zu beraten, auf welche Weise das Übel behoben werden könne. Unter den vielen eingeladenen Baumeistern fand sich keiner mit einer solchen Erfindungsgabe wie Leonhard Hauser aus dem Tal Zirk [?], einst Jäger und edler Hauptmann des Fußvolks Maximilians, der gemeinsam  mit dem obgenannten Steinmetz und Dombaumeisrer Gregor Hauser den ich vorhin erwähnte, den Turm bestieg, die Steine in Teile zerschnitt, die Spitze ohne Schaden abtrug, Stück für Stück ohne Gefährdung der St. Stephanskirche zur Erde ließ, wo in wenigen Tägen die Steinmetzen der Kirche die von Wetter und Feuer verbrannten Steine des Turms nach und nach erneuerten; und nach einigen Jahren hatten sie die – Turmspitze –  so, wie sie einst war, wieder aufgebaut.)

Literatur

Literatur- / Quellenverzeichnis: Perger, 2005

Stelle / Nr / Seite: 57

Kommentar: Perger, 2005, 57; Johannes Cuspinianus, Austria, Basel, 1553, 661.

Zitierempfehlung
Wissensdatenbank zu St.Stephan, Schriftquellen, 2020.03.30
http://www.sanktstephan.at/quellen/1515-20/

Datum: 30.03.2020

bearbeitet: Barbara Schedl

erstellt: Barbara Schedl