1365, März 16

1. Stiftsbrief

Die Herzoge Rudolf IV., Albrecht III. und Leopold III. stiften an der Pfarrkirche zu St. Stephan in Wien ein Kollegiatstift zu Allerheiligen und übergeben ihm die Dotation. Dazu zählt ein Komplex im südlichen Waldviertel mit Rehberg im Kremstal, Weitenegg, Persenbeug, Mauteinkünfte in Ybbs, Emmersdorf, Stein und Krems, Streubesitz in Niederösterreich und der Steiermark, das Schloss St. Veit (Ober-St.Veit in Wien) mit dazugehöriger Herrschaft und der bereits 1360 angekaufte Wald in Weidlingau an der Wien. Zuletzt werden noch Kirchenlehen und das Repräsentationsrecht über die Kirchen zu Großrußbach, Falkenstein, Mistelbach, St. Veit an der Wien, Hütteldorf, Weidlingau, Penzing, Hietzing, Speising und Garnscharn genannt.

 

 

Literatur

Literatur- / Quellenverzeichnis: Flieder, 1968.

Stelle / Nr / Seite: 251-252

Kommentar: Original verschollen; 1. Abschrift in der Beglaubigungsurkunde des Notars Petrus von Waydhofen von 1365 Oktober 21 (Original Perg. DAW, Bestand Domkapitel); 2. Abschrift in der Beglaubiungsurkunde des kaiserlichen Notars Johannes genannt Cruzer, Kleriker aus Straßburg von 1365, Dezember 18 (Original Perg. DAW, Bestand Domkapitel). Vgl. dazu Flieder, 1968, 251–252; Ogesser, 1779, 172–174.

Literatur- / Quellenverzeichnis: Ogesser, 1779.

Stelle / Nr / Seite: 172-174

Literatur- / Quellenverzeichnis: Zschokke, 1895.

Stelle / Nr / Seite: 27-29

Literatur- / Quellenverzeichnis: QGStW

Stelle / Nr / Seite: I/4, Nr. 3550

Transkription / Übersetzung:

Abschrift:

„Wir Rudolf der vierde, Albrecht vnd Leupold, Gepüilder von Gottes Gnaden, Erzherzogen ze Osterreich, ze Steür, ze Kernden vnd ze Krain, Herren auf der Windischen Marck vnd ze Portenaw, Graffen ze Habspurg, ze Tyroll, ze Phirt vnd ze Chiburg, Marggraffen ze Purgow vnd Landgraffen ze Elsazzen, allen Gottes gelaubigen und getreuen ewichlichen vnsern grus mit erchantnusse dieser nachgeschriben Dinge. Eleich getat ewigent weisse Leut mit briefs handfesten, durch daz darnach in künfiftige zeiten nicht stotze, noch irresal darin fallen, darumb so wizzen all Leut geistleich vnd weltleich vnd sunderleichen die, den ez ze wissen durft geschit, als Wir in dem namen der heiligen Driualicheit in ere vnd lob dez chostper vnd überhohen leichnam vnd plutes vnsers lieben Herren vnd Gotes Jesu Christi, der überheiligen vnd rainen Mait vnser lieben Vrauven Sand Marien seiner Mutter, vnd aller Gottes heiligen vnd Engeln, hin vor die pharchiorhen ze Wienn etwenne genant Sant Stephans Chirich, nach ordnunge, willen, vnd helfe des almechtigen Gotes vnd nach vrlaub vnd gunste vnsers heiligen Vatters des Papstes ausgericht, erhöcht vnd gewürdiget haben in ain Fürstleich turn, in solcher ordnunge, als die handfeste vnd briefe wol beweisent, die vnser heiliger Vatter Pabst, Wir vnd die erwürdige Herren, die bischoff von Gurcke vnd von Lavent, vnd der Abt ze den Schotten ze Wien darüber geben habent, dass Wir gesunt von Gottes gnaden leibs vnd mutes, nach gut vorbetrachtung vnd zeitigen rat mit allen der ordnung vnd gezierde, beschaidenheit vnd chrafft , worten, werchen vnd geperden, die nach geistleichen vnd weltleichen Rechten, Freihaiten vnd gewonhaiten vnd sunderlich nach vnserm, vnsers hoffs vnd vnsers Landes ze Osterreich, Freyhaiten vnd Rechten dhainswegs darzwe gehörent, oder notdurfftig sind, lauterleich dureh Got vnd durch aller vnser Vodern, vnser vnd vnser nachkommen selen hailes willen vnsers vreyem ledigen aygens geben haben mit rechter wizzende in weyse, vnd in forme einer ewigen vnwiderruflichen gabe, die man nennet vnter den lebendigen, vnd geben mit diesen brief recht vnd redlich der vorgenanten vnser Stifft, dem Turn vnd der Probstey, dem Probst, den Chorherren, vnd dem Capitel gemainleich ze allen heiligen ze Wienn vnd allen iren nachchomen ewichleichen ze derselben goteshaus sanden dise nachgeschriben vnser Herrschefte vnd Veste, Mericht vnd Dorfer, leut vnd guter mit allen den nutzen vnd rechten, Vreihaiten vnd gewohnhaiten grozze vnd klain, gerichten, gewalten, wirden vnd eren, als vnser Vodern vnd Wir die von alter herpracht vnd besessn, ingehabt vnd genossen haben, gar vnd genzlich nicht ausgenummen, des ersten, die vesten vndherrschaft ze Weiteneck, Rechperch, vnd Puessenpeug mit Mergten, Dorfern, Leuten, gerichten, gueten, höffen, geistleichen vnd weltleichen Lehen, holzern, gemelden, welden, Mauten, Zolen vnd allen andern nutzen vnd rechten, als seu seliger gedechtnus hievor die durichlauchtig Fürstin Vrow Agnes von Osterreich weylent Chunigin ze Ungarn, vnser lieben Pasen innegehabt, vnd genossen hat, vnz an ihrem tod mit voller vnd ganzer herrschafft, nichts ausgenommen mit sambt der Maut ze Ybs vnd ze Emmesdorff vnd waz man ir von der Maut ze Stain vnd von dem Ampt ze Chrems pfennig, Wein oder getraid alle jar inauf gedienet hat, gelegen in Österreich, vnd in Passawer bishtum, darnach die Vest vnd das tal genant in der selich mit leuten, gutern, gerichten voller vnd gantzer Herrschafft vnd aller ander zugehörung vnd den Marcht Trafeyach, mit alien nutzen rechten, gutern vnd gerichten, die darzu gehörent, vnd mit der chaesgült von admind in Steur, Salzburger Bishtums, darnach die Vest ze Sand Veyt auf der Wienn vnd was darzu gehört, daz Wir mit vnser selbes leibe vmberiten vnd ausgemercht haben, darnach die zwo Vesten Schranabaten vnd Wirmlach mit aller zugehörung vnd waz Wernhart selig der Vorstmaister gelassen hat, daz alles recht vnd redeleich an vns gefallen ist, item dem Marcht Hebersdorf auch mit leuten vnd guten gerichten vnd aller zugehörung, item die zwo Maut in den Dorffern ze Neundorff vnd ze Salichenaw, dernacht die Chirichen Lehn vnd daz recht ze leihen vnd ze presentiren der Chirichen Ruspach, Valchenstain, Mistelbach, Sand Veit pei der Wienn, Uteldorff, Weidungaw, Pentzingen vnd Speysingen in Osterreich passawer bischtum vnd der Chirichen Ganscharn in Steyer Salzburger pischtum, vnd sullen sie über die egenanten gueten, über den tod vnd über alle gericht, wie wir die gehabt haben, richten in aller weisse, als Wir darüber gerichtet haben. Wir die vorgenanten Herzogen verzeichen vns auch wissentlich für vns vnd vnser Erben aller der vorgenanten vesten, Merchten, Dorffern, Höffen, gerichten, Lehenen geistleichen vnd weltleichen, herrschefften, Lanten vnd guetern, wie die genant sind, vnd aller der Voderunge vnd ansprach, die Wir darzue in dhain weg haben oder gewinnen möchten vnd geloben auch in dem namen, als da vor, daz Wir wider dise gabe nimer getun wollen, noch geschaffen ze tun mit unser selber noch mit andern leuten, sunder daz Wir sie vest, staet vnd vnveruchet ewigleichen haben wellen in aller der masse, als da vor beschaiden ist an alle widerred vnd geuerd, auch haben Wir, der vorgenante Hertzog Rudolf an vnsern der vorgenanten Herzogen vnd pruder aller dreiger stat vnd als dem eltesten vorbehabt, die Tailunge der vorgeunden Herschaft vnd Vesten, Leuten, gerichten, vnd gutern, also das Wir alle drey gemainleich oder der elteist vnder vns sunderen vnd leutern mugen vnd sullen, wenn unz daz fuget, wieviel vnd was darunder an dem Probst zu seinem leib sunderlich, an das Capitel, di Chorherren vnd Capplan vnd alles daz Capitel mit eynander, auch sunderleich ane dem Probst angehören sullen, diser sach sind gezeug, die zegegen sind gewesen (folgen die Namen der Zeugen) vnd darüber ze ayner ewiger vesten staeten vnd ganzer Sicherhait, hiezzen Wir vnsrew insigel hahen an disen brief, der gegeben ist ze Wienn am Suntag, als man singet Oculi in der Vasten, nach Christes gepurd 1300 jahr vnd darnach in den Fünf vnd sezigisten Jar, vnser vorgenanten Hertzog Rudolfs alter in dem 26. vnd vnsers gewaltes in dem sibenten Jaren, aber vnsers egenanten Hertzog Albreeht Alters in dem 16. vnd vnsers obgenanten Hertzog Leupolten alters in dem vierzehenden Jaren. Dictarum litterarum subscriptiones de littora priori dissimili, signo cruces in cujuslibet principio et fine propositi modo et forma ut sequitur in theutunico scripte erant per omnia tales + Wir der vorgenante Herzog Rudolf sterchen disen prief mit dirr vnterschritft vnser selbes hant. + Wir der vorgenante Herzog Albrecht sterchen disen brief mit dirr vnterschrifft vnser selbes hant. + Wir der vorgenante Herzog Leupolt sterchen disen brief mit dirr vnterschrifft vnser selbes hant. Acta sunt hec Wienne pat. dioec. in domo praedictorum canonicorum anno, indiccione mense, die hora (16. Marz 1365) et pontificatu, quibus supra presentibus discretis viris D. Chunrado capellano capelle s. Johannis Ev. extra muros dicti oppidi Wienn. pat. Johanne dicto Felix de Güttingen Maguntinensis, Petro presbytero Olomuc. et Johanne presbitero Missnensis dioecesis testibus ad premissa vocatis specialiter et rogatis.”[2]

Zitierempfehlung
Wissensdatenbank zu St.Stephan, Schriftquellen, 2019.11.17
http://www.sanktstephan.at/quellen/1365-maerz-16-2/

Datum: 17.11.2019

bearbeitet: Barbara Schedl

erstellt: Barbara Schedl