1336, September 1

Pericht, Schwester des Gofferswentz, beurkundet ihren letzten Willen. Darin schafft sie ein Haus am Kienmarkt und einen Weingarten „zu Luentz“ für eine ewige Messe zu St. Stephan in der Pfarrkirche zu Wien, auf welchem Altar das sei. Sie verfügt, dass ihr Neffe Seyfrit (Neffe der Pericht), sollte er Priester werden wollen, das Haus und den Weingarten in Nutz und Gewähr haben und die ewige Messe davon mit einem ehrbaren Priester halten soll. Sobald er selbst Priester wird, soll er die Messe selbst begehen. Wenn Seyfrit stirbt oder nicht Priester werden will oder die ewige Messe nicht recht begangen werden würde, sollen Haus und Weingarten an Lukasen, ihren anderen Neffen fallen, mit den gleichen Bedingungen und sollte er versterben oder nicht Priester werden, oder die ewige Messe nicht recht halten, sollen Haus und Weingarten mit denselben Bedingungen an Nichlasen, ihrem anderen Neffen fallen. Wäre auch dieser nicht mehr am Leben oder kein Priester oder beginge die ewige Messe nicht recht, soll, wer dann Kirchmeister von St. Stephan ist, sich Haus und Weingarten unterwinden und selbe mit der ewigen Messe, auf welchen Altar diese gewidmet wird, einem ehrbaren Priester verleihen. Sollte dieser die Messe nicht rechtens halten oder begehen, soll der derzeitige Kirchmeister das Erbe, Haus und Weingarten, immer einem anderen Priester leihen, wie ihm das ziemt. Sollte aber der jeweilige Pfarrer in St. Stephan, die ewige Messe dort nicht haben wollen oder sie verhindern, soll man diese in ein anderes Gotteshaus verlegen, welches die Verweser und Pfleger der Messe bestimmen sollen. Sollte der Kirchmeister mit der ewigen Messe und den Gütern nicht verfahren, wie es recht ist, sollen Haus und Weingarten an das Bürgerspital in Wien fallen und man soll die ewige Messe davon begehen.

Weiters schafft sie auch dem Kirchmeister zu St. Stephan zehn Mark Silber von ihrem fahrenden Gut, die der Kirchmeister zu dem Werk zu St. Stephan geben soll. Ihrer Mutter Frau Gertraud und ihrem Bruder Nichlasen schafft sie ihr Haus in der Singerstraße. Ihre Mutter und ihr Bruder, oder wer das gennante Haus besitze, soll dazu ewig von demselben jährlich zwei Pfund Wiener Pfennige Burgrecht dienen, damit man der Ausstellerin jährlich zu St. Stephan ihren Jahrtag begehe und zwölf Schillinge Pfennige Burgrechts für ein ewiges Licht, das ewig bei St. Stephan brennen soll und 12 Schillinge Wiener Pfenninge Burgrecht, die man jährlich an ihrem Jahrtag in gleichen Teilen unter die Chorherren zu St. Stephan aufteilen soll, damit sie am selben Tag ihrer Stifterin mit Messen und Gebet gedenken. Sollte aber der Pfarrer von St. Stephan den Chorherren an den zwölf Schilling Irrung tun, sollen sie zu dem Werk zu St. Stephan fallen. Sie schafft auch, dass von ihrem Haus nach ihrem Tod, dem Tod ihrer Mutter oder ihres Bruders den Augustingern 20 Mark Silber zufallen sollen, diese sollen auch ihr und ihrer seligen Schweser Preiden ewig jährlich einen Jahrtag in ihrem Kloster begehen mit Vigil, Seelenmesse und anderem Gebet. Sollte aber ihre Mutter und ihr Bruder das Haus verkaufen wollen, dann sollen sie das tun und den Augustinern die 20 Mark davon geben. Versiegelt mit dem Siegel ihres Beichtvaters („Peichtiger“) Herrn Wernhers, Chorherr zu St. Stephan in Wien und den Siegel der ehrbaren Bürgern Herrn Herbortes auf der Seul, Herrn Jacobs des Maeserlein, Herrn Perichtoldes des Gaeuchramer und mit dem Siegel des Herrn Benedicten, Amtmann und Pfleger zu den Schotten in Wien, der von dem genannten Haus in der Singerstraße rechter Grundherr ist, anstelle seiner Herren zu den Schotten, die sie alle dazu gebeten hat, dass sie ihr Siegel als Zeugen an diesen Brief gehängt haben.

Literatur

Literatur- / Quellenverzeichnis: QGStW

Stelle / Nr / Seite: II/5, Nr. 73

Abbildungen

Transkription / Übersetzung:

Deutsch;

Archivangaben: 73; AT-WStLA_HABsp_73; drei an Pergamentstreifen hangende Siegel vorhanden: 1.: ein kleines spitzovales (in zwei Bruchstücken), ungefärbtes Wachs; vom Siegelbilde erkennbar: ein Kreuz, darunter Teile (Beine) einer Figur? Von der Umschrift lesbar: † S … E . A ... ZRO; 2 .:das von Franzenshuld im Katalog der historischen Ausstellung von 1873, S. 155, beschriebene Siegel Jakobs des Meserl, aber grün, beschädigt; 3.: Berthold des Geukramers, rund, ungefärbtes Wachs, stark beschädigt. Beschreibung s. Regesten aus dem Archive der Stadt Wien I, S. 454, 2. Spalte, sub a; auf dem Siegelgrunde drei Kugeln oder Blumen. Pergament Rückenvermerke:1. (15. Jahrhundert): Ain penprief der ewigen mess zu Sand Stephan: (15. Jahrhundert, von anderer Hand hinzugefügt): der frawn Pericht des Goferswent swester; darunter: J 9;3. (15. Jahrhundert): Sand Steffans;4. (14. Jahrhundert?): Cofferswent; darunter: 1336.

Zitierempfehlung
Wissensdatenbank zu St.Stephan, Schriftquellen, 2019.11.15
http://www.sanktstephan.at/quellen/1336-september-1/

Datum: 15.11.2019

bearbeitet: Barbara Schedl

erstellt: Barbara Schedl